
Im Oktober 1998 wurde von einigen Teilnehmern des MacGadget-Forums (Anmerkung zum MacGadget-Forum heute), ein offener Brief an Steve Jobs (der "Brief an Steve") initiiert. Die Resonanz war überwältigend: Innerhalb kurzer Zeit hatten wir 2500 Unterschriften gesammelt. Am Ende wurden es 4506 Unterschriften. Die Unterschriftenliste(241 kB) kann ebenso wie der ursprüngliche Brief an Steve-Seite samt unserer Dokumentation eingesehen werden.
Und Apple reagierte:
Man lud uns zu einem
Gespräch mit Apple Deutschland
ein, das schließlich Ende Dezember stattfand. Im Januar 1999 hatten wir dann noch die Gelegenheit
zu einem Gespräch mit dem Europachef von Apple, Mr. Piacentini, der mittlerweile zu Amazon
gewechselt ist.
Außerdem senkte Apple kurz der Vröffentlichung unseres Brief den Preis des iMac in
Deutschland (und nur in Deutschland).
Ob nun Apple auf die Diskussionen im Forum und den sich abzeichnenden offenen Brief
reagierte oder nicht, sei hier dahin gestellt.
Ganz erfolglos war unsere Aktion jedenfalls nicht, wie auch durch ein Zitat, das wir bei den
MacGuardians fanden, belegt ist
siehe unten.
Auch wenn nach wie vor einige Unterschriften hinzukommen:
Zunächst ist positiv festzustellen, dass Apple auch in Deutschland immer präsenter wird und damit
in Zukunft vielleicht sein Image als ein "fast-schon-totes-Systems" abstreifen kann.
Apple wächst im Moment - auch in Deutschland - deutlich schneller als der Markt,
aber leider nicht schnell genug. Der Marktanteil wächst dabei langsam auf mittlerweile gut 3%.
Von Verhältnissen wie in Amerika oder Japan ( oder auch der Schweiz)
sind wir in Deutschland und Österreich jedoch noch weit entfernt.
Eine für die breite Softwareunterstützung ausreichende kritische Masse scheint uns dabei in Deutschland
noch nicht erreicht zu sein.
So bleiben auch eine Reihe unserer Kritikpunkte bestehen:
Trotz gegenteiliger Beteuerungen gibt es bei
Neuvorstellungen von Geräten nach wie vor einen Europaaufschlag, der allerdings
bei den Consumergeräten (iMac und iBook) fast oder ganz vom steigenden Dollarkurs kompensiert wurde.
Auch wurde das Versprechen
(siehe MacGadget-News vom 10. März 1999, 16:30 Uhr),
immer einen Mac unter 2000 DM anzubieten, wurde nicht gehalten (bei Consumergeräten
kann nur der Bruttopreis zählen).
Das Softwareangebot ist nach wie vor unzureichend.
Einem unbedarften Kunden bei MediaMarkt oder Karstadt muss das Angebot für den Mac im Vergleich zum
PC marginal erscheinen.
Diesem Eindruck wird auch durch die vorhandenen Hybridversionen von Programmen kaum entgegengewirkt, da
diese oft als solche schwer erkennbar sind. Hier wäre es schön, wenn Apple sein - vor einem
Jahr zum Ausdruck gebrachtes Engagement - verstärken könnte.
Auch wenn die meiste
der für den PC angebotenen Software nur geringen Qualtitätsansprüchen genügt,
bleibt der Eindruck des dünnen Softwareangebots bestehen und manifestiert sich in dem bekannten
"Es gibt keine Software für den Mac".
In einigen Bereichen, wie z.B. Lexika oder
wissenschaftlicher Software, trügt dieser Schein nicht einmal. Hier ist das Angebot in der
Tat katastrophal knapp.
Das Händlernetz für die Profigeräte ist weiterhin ziemlich weitmaschig.
Im Bereich der Consumergeräte (d.h. bei den sog. "Retailkanälen")
scheint die Schulung und daher der Bildungsstand (bzgl. Apple) bei MediaMarkt, Karstadt usw.
doch erhebliche Mängel aufzuweisen.
Auch scheint die Motivation des dortigen Verkaufspersonals, Macs zu verkaufen, recht gering zu sein.
Dazu manifestiert sich in einer oft lieblosen Präsentation und einer unzureichenden Wartung der
ausgestellten Geräte.
Dieser Tatbestand wird durch immer wieder auftauchende Berichte in Webforen bestätigt.
Die Ankündigung Apples, nur speziell geschultes Personal einzusetzen, scheint hier offenbar nur unzureichend in die Tat umgesetzt worden zu sein.
Löbliche Ausnahmen sind meist auf Eigeninitiative der lokalen Verkäufer zurück zuführen.
Hier wäre es vielleicht nicht uninteressannt, durch Rabatte für erfolgreiche Verkäufer
Anreize zu schaffen, sich internsiver mit dem System auseinander zu setzten
und für eine angemesse Präsentation zu sorgen.
Wir freuen uns aber, dass Apple - trotz ursprünglicher Zweifel - unsere Anregung, engagierte Macanwender mit in die Präsentation von Macs vor Ort einzubeziehen, nun doch in Form des iTeams umgesetzt hat. Wie es scheint mit Erfolg.
Extrem lange Lieferfristen sind leider weiter an der Tagesordnung
Mit dem iMac SE stößt die Consumerschiene preislich in den Bereich der Profi-Geräte vor. Umgekehrt wäre es wünschenswert, ein zwar schlechter ausgestattetes Profimodel (z.B. keine FireWire und niedriger Takt) erwerben zu können. Dies wäre insbesondere für Kunden interessant, die sich vom Wintel-Monopol lösen wollen, aber auf die vom PC gewohnte (wenn auch nicht immer wirklich nutzbare) Erweiterungsmöglichkeit verzichten wollen. Hier stellt sich dann die Alternative PowerMac G4 oder Athlon-Linux-PC, wobei letztere bereits für gut der Hälfte des Preises zu bekommen ist und mehr Flexibilität verspricht.
Auch erschreckt uns das Fehlen Apples auf der wohl weltgrößten Computermesse, der CeBit. Wir meinen, dass Apple damit die Möglichkeit zu kostenloser Werbung verschenkt hat, auf die sie in unserem Gespäch damalsWert gelegt haben. Auch die damit im Zusammenhang stehenden Konzentration auf das "Kernmarktsegment" (Zitat vom Heise-Newsticker vom 3.1.2000) finden wir beunruhigend. Gerade letzteres erinnert fatal an die letzten Tage von Atari.
Dass der Brief an Steve dennoch nicht völlig erfolglos war, zeigt ein Zitat, das wir im MediaWatch der MacGuardians gefunden haben:
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Die im letzten Jahr gestartete Unterschriftenaktion "Brief an Steve" hat wohl mehr bewegt als Apple bisher zugegeben hatte. In einem Interview der Fachzeitschrift "Werben und Verkaufen" gibt Stefan Heimerl (Marketing-Manager Apple-DACH) zu, dass die Unterschriftenaktion gegen das lasche Apple-Marketing in den deutschsprachigen Ländern ein Umdenken bei Apple-DACH bewirkt hat. So wurde etwa die Werbekampagne für den iMac umgestaltet, außerdem werde Apple noch in diesem Jahr in Deutschland mit TV-Spots vertreten sein. Die Aktion "Brief an Steve" ist insofern einmalig, da sich wohl zum ersten Mal normale Kunden bei einer Konzernzentrale über ein zu lasches lokales Produktmarketing beschwert haben. Der Brief, so Heimerl sei sehr ernst genommen und an die Konzernzentrale weitergeleitet worden und soll Apple "sehr geholfen" haben. | ||
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Gefunden auf MediaSpots, Version 1.2 (Meldung vom 21.9.1999) bei den MacGuardians. | ||
Dennoch bleibt unsere Sorge um die Zukunft der Mac-Plattform vor allem in Deutschland und Europa bestehen. In der Umstrukturierung des europäischen Managements sehen wir dabei eine Chance, eingefahren Strukturen zu überwinden. Sie birgt aber auch die Gefahr, dass in Zukunft eine für Deutschland so dringend notwendige, auf lokale Bedürfnisse zugeschnittene Marketing-Strategie ausbleiben wird.
Die Bereitschaft der deutschen Mac-Anwender wird auch weiterhin groß sein, in Aktionen wie dem "Brief an Steve" ihrer Forderung nach mehr Präsenz und Professionalität zum Ausdruck zu verleihen. Diese könnten gegebenenfalls in einer zweiten Auflage des "Brief an Steve" kulminieren.
Wir wollen jedoch noch einmal betonen, dass wir unsere Kritik konstruktiv verstanden wissen wollen. Unsere Intention war und ist es, die Macintosh-Plattform in Deutschland zu stärken, indem wir auf unserer Meinung nach bestehende Defizite hinweisen und Abhilfe einfordern, damit auch in Zukunft und auch in Deutschland der Mac eine wirklich überzeugende und echte Alternative zu anderen Computersystem darstellen kann.
In diesem Sinne
Nachtrag:
Dass der Brief an Steve eingestellt ist, bedeutet natürlich nicht, dass es nicht weiterhin Aktionen rund um den Mac und Petitionen an Apple und andere Hersteller zu Mac-relevanten Themen gibt. Vorerst seinen hier zwei genannt: